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Review zu:
Splinter Cell
  Die Basis für PC-Spiele  





 
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Gewalt? Nein, danke!
Counter-StrikeEs ist schon eine Tragödie für sich, dass Politiker und Verbände erst dann in blinden Aktionismus verfallen, wenn es im Grunde schon zu spät ist. Rund zwei Monate liegen die Ereignisse von Erfurt jetzt zurück, zwei Monate, die von einer erhitzten Debatte über Gewalt in Medien und vor allem in Computerspielen geprägt waren. Auf der möglichst schnellen Suche nach einem Auslöser für den Amoklauf des Robert Steinhäuser kam es gerade den Politikern wahlkampftechnisch zu Pass, dass man das Actionspiel Counter-Strike auf seiner Festplatte fand. Das konnte kein Zufall sein, und prompt brachten Zeitungen und Fernsehen zum Teil reißerische und nicht der Realität entsprechende Berichte über "Killer-Spiele", bei denen möglichst viel Blut floss und wehrlose Passanten zu Opfern des mordenden PC-Spielers wurden. Erstaunlich, dass all dieser Märchen und des Drucks seitens der Politik zum Trotz, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BpjS) einen kühlen Kopf bewahrte und das beliebte Counter-Strike 16. Mai nicht indizierte.
 
Die Politiker:
Quake 3 ArenaDer Kanzler hielt die Entscheidung, Counter-Strike nicht zu indizieren, zwar für ein gänzlich falsches Signal. Doch von GameStar befragt, welches Computerspiel er zuletzt gespielt habe, lies er die Reporter kommentarlos stehen. Gerade diese Art der Ignoranz vieler Politiker hinsichtlich des Themas, über das sie zu entscheiden haben, stößt bei Spielern zunehmend auf Empörung. Wieder einmal stehen sie als Sündenböcke der Nation dar, als ob Computerspielen kriminelle Energien in ihnen wecken würde. Doch auch Wissenschaftler und Pädagogen sind sich nicht einig, ob übermäßiges Spielen zu Verrohung und sozialer Isolation oder doch zu besseren kognitiven Fähigkeiten führt. Allerdings mehrten sich in jüngster Zeit Stimmen aus Politik und Wissenschaft, die zum differenzierteren Umgang mit dem Thema mahnten. Computerspielen allein sei nicht für den Amoklauf in Erfurt verantwortlich zu machen, viele Faktoren wie soziales Umfeld und Bildung spielten ebenfalls eine Rolle. Und viele räumten ein, dass im Fernsehen und speziell in den Nachrichten bereits am Nachmittag Schreckensbilder gezeigt würden, die das für Kinder verträgliche Maß überschritten.
 
Die Wirtschaft:
Max PayneMit der Novellierung des Jugendschutzgesetzes werden Computerspiele Medien wie Videos gleichgestellt, in dem sie eine verbindliche Altersfreigabe benötigen. Die Kompetenzen der BpjS werden erweitert und selbst für (noch) nicht indizierte Medien, die dennoch gewalt- oder kriegsverherrlichende Aussagen haben, gelten von nun an weitreichende Werbe- und Abgabeverbote. Damit werden für den deutschen Markt angepasste Spiele auch zukünftig die Regel bleiben - oder sie werden gar nicht erscheinen, wie jüngst die deutsche Version zu Max Payne. Umso verwunderlicher ist es da, dass die Bertelsmann AG trotz verschärfter Gesetzeslage jüngst verkündete, gewaltverherrlichende Computerspiele gänzlich aus ihrem Angebot herauszunehmen. Wie Vorstandschef Thomas Middelhoff sagte, habe er gegen Spiele, die Töten als Erfolg belohnen würden, eine "tiefe Abneigung", ungeachtet des vorhandenen wirtschaftlichen Potenzials dieses Genres. Er befürwortete weiter eine Initiative von Medien, Eltern und Lehrern gegen Darstellung von Gewalt, und machte auf die Problematik des Internets in diesem Zusammenhang aufmerksam, das als Quelle von gewaltverherrlichenden Spielen oder Hassmusik nicht zu kontrollieren sei.
Die Botschaft:
NOLF 2Nun kann man die Entscheidung von Bertelsmann als eine Art Dienst am Volk ansehen, doch mehr als eine medienwirksame Aktion dürfte es wohl nicht sein. Neben der manchmal kniffligen Einstufung der Spiele in gewaltverherrlichend und noch annehmbar, kann so eine Aktion nur zu etwas führen, wenn alle Händler an einem Strang ziehen. Dies wird aber, sofern nicht per Gesetz vorgeschrieben, illusorisch bleiben - vielleicht zum Glück, denn die Grenzen zur Zensur wären dann fließend. Zudem mutet es schon ironisch an, dass gerade Bertelsmann eine Inititive gegen die Darstellung von Gewalt fordert, denn zum Konzern gehört auch der Privatsender RTL, der pikanterweise als einer der ersten ein sogenanntes Re-enactment (also eine Nachstellung) der Ereignisse von Erfurt gesendet hatte...
Gleichwohl ist festzuhalten, dass nur ca. ein Viertel aller veröffentlichten Spiele dem Actiongenre zuzuordnen sind und davon nur ein Bruchteil dem Unter-Genre Ego-Shooter angehören. Viel Lärm um nichts also? Im Grunde schon, zumindest was die überwältigende Mehrheit der friedlich zockenden Computerspiel-Gemeinde angeht. Jugendschutz an sich ist eine gute Sache, doch weder Politiker noch Wirtschaft haben eine Instant-Lösung in der Hinterhand. Vielleicht hilft die aktuelle Debatte aber, auch andere Medien wie Fernsehen, Musik oder Zeitschriften mit in die Verantwortung zu nehmen, auch wenn eine vernünftige Diskussion wohl erst nach der Bundestagswahl im September möglich sein wird. Bis dahin werden wir wohl noch so manch empörten Aufschrei von Politikern über uns ergehen lassen müssen. Doch wer schreit, hat nicht zwangsläufig recht.
© 28.06.2002 by CE

 
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